Die Paulinerkirche entstand im Jahre 1231, als Dominikanermönche nach Leipzig ansiedelten. Gebaut wurde sie als Klosterkirche der Bettelorden und wurde 1240 eingeweiht. Angelegt wurde sie als einschiffiger Chor und dreischiffigem Langhaus. Bis ins 18. Jahrhundert kamen mehrere An- und Umbauten an der Paulinerkirche im Stile der Gotik, des Barocks und der Renaissance. Als im Jahre 1409 die Alma mater Lipsiensis gegründet wurde, wuchsen beide Komplexe zusammen. Die Klosterkirche war hunderte von Jahren ein Friedhof für Studenten und Lehrer. Im Jahre 1539 kam es durch die Ausbreitung der Reformation von Martin Luther zur Auflösung der Dominikaner in Leipzig. 1543 wurde dann die Paulinerkirche der Universität Leipzig übergeben und zwei Jahre später von Martin Luther als evangelische Universitätskirche geweiht. 1717 führte Johann Sebastian Bach eine Orgel-prüfung durch. Als 1813 in Leipzig und Umgebung die Völkerschlacht herrschte, wurde die Kirche als Gefängnis und Krankenhaus genutzt. Von 1831 bis 1836 entstand nebenan das Augusteum (Hauptgebäude der Universität) und ein großer Teil der Klostergebäude wurde abgebrochen. Im Jahre 1836 erhielt die Universitätskirche St. Pauli durch Albert Geutebrück eine neue Fassade. 1836 folgte erneut eine Fassadenumgestaltung, diesmal im Stile der Neugotik des Leipziger Architekten Arwed Roßbach.

Bei einem Bombenangriff am 04. Dezember 1943 wurde die Universitätskirche St. Pauli nur sehr leicht beschädigt. Waren das Augusteum und Café Felsche dagegen stark zerstört. In der DDR wurde ein neuer Bebauungsplan aufgestellt, wie künftig das Areal der Karl-Marx-Universität Leipzig, wie sie nun hieß, aussehen soll. Der Augustusplatz wurde ebenso in Karl-Marx-Platz umbenannt. Alle Gebäude der Universität samt Kirche sollten abgerissen werden. Der Senat der Universität stimmte am 16. Mai 1968 zu. Der Leipziger Stadtrat folgte am 23. Mai. Nur einer war dagegen, der Pfarrer und Stadtrat Hans-Georg-Rausch. Widerstand gab es auch von der Theologischen Fakultät. Ein Student wurde wegen Protest sogar zu 22 Monaten Haft verurteilt. Am Donnerstag, den 30. Mai 1968, wurde um 09.58 Uhr die Universitätskirche St. Pauli gesprengt - auch das Augusteum. Dazu kam es zu mehreren Verhaftungen durch Proteste. Im Juni 1968 fand vor dem Publikum des 3. Inter-nationalen Bachwettbewerbs ein weiterer Protest zur Sprengung der Kirche statt. Beteiligt an diesem Projekt waren junge Physiker. Es war der einzige Protest der auf der ganzen Welt Aufmerksamkeit fand. Die Ermittlungen der Staatssicherheit (MfS der DDR) dauerten bis in die 1970er Jahre an. Ein Beteiligter wurde verhaftet. Dies bekamen Leipziger jedoch erst nach der Wende mit. Nach der Wiedervereinigung Deutschlands wuchs die Vision, den Campus am Augustusplatz neu zu gestalten. In den Jahren 1994, 2001 und 2003 fanden Architektenwettbewerbe statt, da man sich zunächst nicht für einen Sieger entscheiden konnte. Letztendlich ging als Sieger der niederländische Architekt Erick van Egeraat hervor, der ein imposantes Ensemble aus Augusteum, Paulinum und Café Felsche präsentierte. Letzteres hat mit der Universität nichts zutun, gehört aber zum Bauprojekt. Das Hauptgebäude von 1975, das sich bis zum Baufeld der Universitätskirche erstreckte, wurde 2007 abgerissen und anschließend beide Neubauten errichtet.

Im Frühjahr 2008 begann der Bau des Paulinums. Als Untertitel sollte der Bau den Namen Universitätskirche St. Pauli führen. Der Begriff Paulinum wurde ursprünglich auch bei einem Seitenflügel des erweiterten Augusteums verwendet. Angemerkt sei, dass es sich weder um einen Kirchenneubau noch um einen Wiederaufbau der Universitätskirche St. Pauli handelt. Lediglich soll sie an die im Mai 1968 gesprengte Kirche erinnert werden. Die Aula dient akademischen Veranstaltungen, Proben und Konzerten, darunter vom Leipziger Universitätschor, aber auch Gottesdienste der Universitätsgemeinde, die bis Dezember 2017 ihr Interim in der Nikolaikirche hatten. Von 1710 bis 1968 fanden sie in der Universitätskirche St. Pauli statt. Das Paulinum besteht aus einem Andachtsraum mit Altar, Kanzel, Taufstein und Epitaphen aus der gesprengten Kirche sowie einer Aula mit Schwalbennestorgel, die durch eine Glaswand getrennt sind. Dazu gab es jahrelang einen Streit. Ende 2008 wurde dann mit allen Beteiligen unter Vermittlung der Generalbundesanwältin Monika Harm ein Kompro-missnamen entschieden: Paulinum - Aula und Universitätskirche St. Pauli. In den oberen Etagen befinden sich Räume für die Fakultät für Mathematik und Informatik und der Felix-Klein-Hörsaal mit 120 Sitzplätzen. Die Aula bietet 700 Sitzplätze und der Andachtsraum 130 Sitzplätze. Zum 600. Universitätsgeburtstag im Jahr 2009 sollte das Paulinum fertig gestellt werden, doch Bauverzögerungen machten einen Strich durch die Rechnung. Immerhin fand am 02. Dezember 2009 hier der Festakt und ein Festkonzert statt. Auch drei Gottesdienste folgten auf der Baustelle - das Interesse war sehr groß. Der Grund für die Verzögerungen waren Streitigkeiten mit dem Architekten, der immer die Pläne änderte. Schließlich wurde am 01. Dezember 2017, zum 608. Universitätsgeburtstag, das Paulinum eingeweiht. Zwei Tage später folgte ein Festgottesdienst. Von 1710 bis 1968 fanden hier die Universitäts-gottesdienste statt.

Das Paulinum befindet sich am Augustusplatz und ist auch zugänglich über das Augusteum und durch eine Verbindungsbrücke in den oberen Etagen zum Institutsgebäude an der Grimmaischen Straße.

Zum 43. Jahrestag zur Sprengung der Universitätskirche St. Pauli und zur Eröffnung des Paulinums.

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