Das "Harmelin-Haus" wurde in den Jahren 1913 bis 1914 nach Entwürfen des Leipziger Architekten Emil Franz Hänsel errichtet. Es gehört zu den letzten Bauwerken der verlängerten Nikolaistraße zwischen Brühl und Richard-Wagner-Straße. Denn, um den Hauptbahnhof, der 1909 bis 1915 gebaut wurde, mit der Nikolaistraße zu verbinden, fand bis 1912 ein Durchbruch statt. Das Gebäude wurde mit Kalkstein verkleidet und erhielt ein Walmdach, dass im Zweiten Weltkrieg zerstört und durch ein Flachdach ersetzt wurde. Figuren und Ornamente zeigen sich an der Fassade, mit Männerköpfen, den Initialen von Markus Harmelin und die Bauzeit. Der Hausname stammt von der Familie Harmelin, die im Gebäude einen Pelzhandel betrieben. Marcus Harmelin gründete 1830 die "Marcus Harmelin Rauchwaren und Borstenkommission Leipzig". Sie kauften Häuser am Brühl und in der Richard-Wagner-Straße. Im Hofbereich gab es mehrere Flachbauten. An der Richard-Wagner-Straße errichtete man ein Lager-haus. Dem folgte Krafts Hof und war der größte der Leipziger Pelzhöfe. Im Jahr 1939 wurde der Handel der Familie Harmelin aufgelöst und sie mussten auswandern bzw. wurden in Chettos und Konzentrationslagern getötet. Am 03. Dezember 1943 wurden bei einem Bombenangriff alle Lagergebäude zerstört. Geerbt haben zwei Enkelinnen aus London das Gebäude und Grundstück. 1991 sollte die kriegszerstörte Brache mit der Harmelin-Passage bebaut werden, doch das Projekt scheiterte. Über die Jahre hinweg stritten sich die Geschwister. Die eine wollte es verkaufen, die andere nicht. Schließlich war es 2018 soweit, als beide Geschwister das Harmelin-Haus und die Brachfläche, die als Parkplatz genutzt wird, an S&R verkauften. Bis 2022 sollen hier zwei Hotels mit 500 Zimmern entstehen. Zurzeit befinden sich im Harmelin-Haus im Erdgeschoss mehrere Einzelhändler und darüber das Kriminalmuseum des Mittelalters, Ausstellungsflächen und Büroräume.

       

Das "Harmelin-Haus" befindet sich an der Nikolaistraße zwischen Richard-Wagner-Straße und Brühl.

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