Die Person "Karl Heine" ist als Industriepionier bekannt, der Fabriken aus der Erde stampfte, ein einzigartiges Gleisanschluss-system entwickelte und Leipzig an die Weltmeere anschließen wollte. Doch das ist nur ein Bruchteil seines Engagements.
Dr. Ernst Carl Erdmann Heine wurde am 10. Januar 1819 in Leipzig geboren und starb im Alter von 69 Jahren am 25. August 1888 in seiner Heimatstadt. Beigesetzt wurde er auf dem Neuen Johannisfriedhof, wo sich heute der Friedenspark befindet. Heine war ein sächsischer Gutsherr, Rechtsanwalt und Unternehmer. Zudem Politiker bei der Deutschen Fortschrittspartei (DFP) und saß im Sächsischen Landtag, Deutschen Reichstag und im Rat der Stadt Leipzig.

Karl Heine, wie man ihn später nannte, war der Sohn von Christina Dorothea Heine, deren Mädchenname Reichel war. Ihr Vater war der Kaufmann Erdmann Traugott Reichel, dem auch Reichels Garten westlich vor der Stadt Leipzig (Altstadt) gehörte. Sein Vater hieß Johann Carl Friedrich Heine. Getauft wurde er in der Thomaskirche und ging von 1833 bis 1837 in der Thomasschule zur Schule. Danach studierte er Rechtswissenschaften an der Universität Leipzig und wurde 1838 Mitglied der Studenten-verbindung "Corps Saxonia Leipzig", die Fechtkämpfe ausüben und einheitliche Kleidung tragen. Die Vereinigung fasst Stud-enten und Absolventen der Universität Leipzig, der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main und der Universität Augsburg zusammen. Interessant ist, dass die Corpsmitglieder Leipziger Sachsen genannt werden. Im Jahre 1842 erhält er den Baccalmaureus Juris (Bachelor of Laws). Ein Jahr später promovierte er mit seiner Doktorarbeit "De principiis iuris in usu fluviorum adhibendis" bzw. "Die Rechtsgrundsätze, die in der Praxis von Flüssen verwendet werden" zum Dr. jur. und ließ sich als Rechtsanwalt nieder.

1854 wurde Heine Mitglied in der 1805 gegründeten Leipziger Freimaurerloge Apollo. Die Freimaurer verstehen sich als ein Bund freier Menschen mit der Überzeugung, dass die fortlaufende Arbeit an sich selbst zu einem menschlicheren Verhalt führt. Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit, Toleranz und Humanität sind die fünf Grundideale. Die Loge wurde 1933 aufgelöst.

1842 erhielt er von seiner Mutter die Generalvollmacht für Reichels Garten und kaufte nach dem Tode ihres Vaters die Anteile aller Erben. Er hatte nun ein großes Grundstück westlich der Stadt Leipzig, das neben weiteren Gartenanlagen von der Auen-wandlandschaft bedeckt war. In der Mitte des 19. Jahrhunderts legte er die Fläche trocken und begann mit der Bebauung. Der erste Bau war das sogenannte Hufeisenhaus von 1848, das im Zweiten Weltkrieg zerstört wurde.

Ab 1854 interessierte sich Karl Heine auch für die Dörfer und Gemeinden Schleußig, Plagwitz, Kleinzschocher und Lindenau.
Sein Ziel war es, neben eigenen Fabriken und Anlagen, auch neue Unternehmer und Produkte auf seine Grundstücke zu holen. Unter anderem verband er die Stadt Leipzig über eine Straße und Brücke, die über die Weiße Elster führte, mit Plagwitz.
Eines seiner größten Projekte ist der 1879 eröffnete Industriebahnhof Plagwitz-Lindenau. Zu ihm gehörten 37 Anschlussgleise, die vom Zeitzer Bahnhof der Preußischen Staatseisenbahn abzweigten, und 1873 über einen Gleisanschlussvertrag geregelt wurden. Die, die sich kein eigenes Anschlussgleis leisten konnten oder benötigen, nutzten eine der drei Ladestellen.
15 Anschlussbahnen bedienten die Anschlüsse. Dank dieser Infrastruktur nahmen weitere Fabriken hier ihren Betrieb auf.
Ein weiteres Projekt ist der Elster-Saale-Kanal, der Leipzig an der Weißen Elster mit der Saale in Schkopau bei Halle verbinden sollte und darüber Anschluss an die Weltmeere herstellen sollte. 1856 begann der Bau des heutigen Karl-Heine-Kanals, darauf folgten der Lindenauer Hafen und ein Teil des nördlichen Elster-Saale-Kanals sowie der Bau einer Schleuse in Wützeneutzsch.
Heine hat den Bau komplett allein und mit dritten Mitteln finanziert, die Stadt Leipzig habe sich nicht daran beteiligt. 1943 kam das Bauprojekt durch den Zweiten Weltkrieg komplett zum Erliegen. Relikte aus vergangenen Zeiten ist beispielsweise die heute erhaltene Lindenauer Kiesbahn, die beim Bau eingesetzt worden war, und seit 1992 im Museumsbetrieb pendelt.

   

1858 gründete Karl Heine eine Hausverwaltungsgesellschaft, die damals Öconomie genannt wurde, für seine Bauprojekte.
Ein Jahr später folgte die Firme Heine & Co. mit dem Industrieller Otto Steche zur Trennung und Reinigung von ätherischen Ölen aus einheimischen Pflanzen und zur Herstellung von Essenzen für die Spirituosen- und Süßwarenindustrie. Damit seine Bauprojekte nach seinem Tode weitergeführt werden, gründete er schließlich 1888 die Leipziger Westend-Baugesellschaft AG mit dem Grundbesitz seiner Hausverwaltungsgesellschaft. Drei Monate später starb Karl Heine.

1874 ließ der Rechtsanwalt und Familienvater von zwei Töchtern und einem Sohn im Ortsteil Schleußig (Könneritzstraße) seine Villa im Stile des Historismus errichten. Der beauftragte Architekt war R. Hercher. Bis 1888 bewohnte er die Villa. In den Jahren 1949 bis Anfang der 1990er Jahre war er ein Kinder- und Jugendheim untergebracht. Ende der 1990er Jahre und 2001 wurde das Haus saniert und befindet sich nun im Privatbesitz einer Familie.

Bilder: Karl-Heine-Villa

Karl Heine hat für Leipzig Großes geschaffen. Und so ehrte die Stadt Leipzig im Jahre 1897 ihn mit einem Denkmal in einem Rondell im Clara-Zetkin-Park (Käthe-Kollwitz-Straße Ecke Klingerweg). Die Parkanlage gehörte zur im selben Jahr statt-gefundenen Sächsisch-Thüringischen Industrie- und Gewerbeausstellung. Jedoch wurde das Denkmal im Zweiten Weltkrieg eingeschmolzen. Erst 2001 wurde das Denkmal wiederhergestellt. Benannt nach ihm wurde die Erdmannstraße zwischen Nonnenstraße und Forststraße im Ortsteil Plagwitz - ihren Namen erhielt sie Ende des 19. Jahrhunderts und vor der Einge-meindung 1891 zur Stadt Leipzig. Ebenso Mitte des 19. Jahrhunderts wurde die Leipziger Allee, später Leipziger Straße, angelegt, und 1888 in Carl-Heine-Straße umbenannt. Bereits 1881 hieß der westliche Straßenteil auf der Gemarkung Plagwitz so, nur die Gemeinde Lindenau war für Albertstraße, benannt nach dem sächsischen König. 1904 folgte nördlich der Karl-Heine-Straße, in Höhe Walter-Heinze-Straße, der Karl-Heine-Platz, der aber heute als Knochenplatz bekannt ist. Der südliche Teil des Elster-Saale-Kanals zwischen Weiße Elster und Lützner Straße wurde ebenso nach ihm benannt. Im Zuge der Expo 2000, als der Stadtteilpark Plagwitz eröffnet wurde, schaffte man eine Verbindung zum 1992 angelegten Rad- und Uferweg am Karl-Heine-Kanal durch eine Stabbogenbrücke, die Karl-Heine-Bogen heißt. 2003 erfolgte die Benennung des Beruflichen Schulzentrums 4 der Stadt Leipzig in "Karl-Heine-Schule". Ihren Hauptsitz hat sie in der Merseburger Straße, nördlich der Karl-Heine-Straße im Ortsteil Lindenau, und die Außenstelle befindet sich in der Geithainer Straße im Ortsteil Sellerhausen-Stünz. Seit 2017 gibt der Industriekultur Leipzig e.V. jährlich den Karl-Heine-Preis für herausragende Unternehmer in Leipzig heraus, die im Sinne von Karl Heine handeln.

200 Jahre Karl Heine - Am 10. Januar 2019 wurde im ehemaligen Güterschuppen der Verladestelle I der 200. Geburtstag von Karl Heine gefeiert. Und Akteure und Vereine nutzen die Möglichkeit, auf den großen Industriepionier mit Veranstaltungen einzugehen. Eine Auswahl wird hier gezeigt.

       

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