Im 11. Jahrhundert entstand ein Gassendorf und erstmals im Jahre 1287 als pavorum Scochere erwähnt. Am 01. Januar 1891 wurde Kleinzschocher zur Stadt Leipzig eingemeindet. Der Ortsteil Kleinzschocher ist umgrenzt von der Nikolai-Rumjanzew-Straße, Gärtnerstraße, Brünner Straße und Antonienstraße im Norden, der Weißen Elster im Osten, der Waldbahnlinie und Goldrutenweg im Süden und Schönauer Straße im Osten. Das Teilstück zwischen Markranstädter Straße und Antonienstraße befindet sich auf der Gemarkung Kleinzschocher und der südliche Teil der Windorfer Straße gehört zur Gemarkung Großzschocher. Die umliegenden Ortsteile sind Plagwitz, Schleußig, Connewitz, Großzschocher, Grünau-Siedlung, Grünau-Mitte, Grünau-Ost und Neu-Lindenau.

ARCHITEKTUR
 
Der Stadtteil Kleinzschocher hat zahlreiche Gründerzeithäuser- und Villen, auch im historischen Dorfkern um die Taborkirche. Teils sanierte und unsanierte Altbauten finden sich in der Dieskaustraße und ihren Seitenstraßen wieder.
 
VOLKSPARK KLEINZSCHOCHER
 
Der Gartendirektor Nikolaus Molzen sah 1928 in seinem Entwurf vor, eine Parkanlage mit Teich und Kulturtheater zu gestalten. Der Schlosspark war jedoch für die Öffentlichkeit erst gesperrt. Nach 1928 wurde der Gutspark ausgebaut. Es entstanden Sondergärten an der Küchenholzallee, neue Wege und eine Gehölzkulisse um die Struthwiese. Später kam das Sommerbad Kleinzschocher hinzu. Mitten im Wald stehen das Liebesdenkmal, der Hain der Jahresbäume und am Rande der Parks das Österreicherdenkmal 1813.

 

TABORKICHE
 
In den Jahren 1902 bis 1904 entstand nach Entwürfen vom Architekten Arwed Roßbach eine neue Kirche, als Ersatz für die alte Dorfkirche. Sie befindet sich auf dem Tanzberg. Am 13. März 1904 wurde die Taborkirche, welche nach dem Berg Tabor benannt ist, eingeweiht. Sie hat zwei 50 Meter hohe Kirchtürme und eine dreischiffige Kirchenhalle im Stile des Neoromanisch. Die Säulen, Altar und Taufstein sind mit Sandstein reich geschmückt. Die Orgel von 1904 wurde im Zweiten Weltkrieg beschädigt und 1966 bis 1967 erneuert.
 
WEIßE ELSTER
 
Die Weiße Elster stammt aus Tschechien im Elstergebirge südöstlich von Áš (Asch), in der Nähe des Dorfes Výhledi und mündet in Schkopau bei Halle in die Saale. Unterwegs nimmt die Weiße Elster rund 40 Bäche und Nebenflüsse auf. Kommend aus Zeitz fließt die Elster durch das südliche Leipzig, vorbei am Volkspark und Freibad Kleinzschocher, den ehemaligen Industrievierteln Schleußig und Plagwitz, am Schrebergarten zum nördlichen Auenwald und weiter durch Möckern. Die Elster wurde im südlichen und nördlichen Abschnitt begradigt.
 

GUTSHAUS KLEINZSCHOCHER / SCHÖSSERHAUS
 
Am Kantatenweg, bis April 2001 Schlossweg, befindet sich das ehemalige Gutshaus vom Schloss Kleinzschocher, welches zum Gutspark Kleinzschocher gehörte. Am Tor befindet sich am ehemaligen Eingang eine Tafel, die an die Uraufführung der Bauernkantate von Johann Sebastian Bach am 30. August 1742 erinnert.
 
FRIEDHOF KLEINZSCHOCHER
 
Im Jahre 1892 wurde der Friedhof Kleinzschocher durch Gottfried Christian Lohse, Pfarrer von Kleinzschocher, eingeweiht. An diesem Tag fand die erste Bestattung statt. Die Mittelachse begleiten Lindenbäume und führen zur Kapelle, welche in den letzten 10 Jahren restauriert wurde. Entworfen wurde sie vom Baumeister und Architekten Richard Lucht. Die Friedhofsanlage befindet sich an der Schwartzestraße und in der Nähe zum Eisenbahnmuseum.
 
KAMMGARTENSPINNEREI
 
Im Jahre 1880 wurde die Kammgarnspinnerei Stöhr & Co. gegründet. Sie war eine Kommanditgesellschaft auf Aktien. 1893 hatte das Unternehmen seinen Sitz in Plagwitz. Am 30. Juni 1946 wurde die Kammgarnspinnerei durch einen Volksentscheid enteignet. Danach hielt die "VEB Mitteldeutsche Kammgarnspinnerei" Einzug. Seit 1990 steht das Gebäude leer und verfällt. 1997 wurde der umliegenden Schornstein gesprengt.
 
ADLER
 
In den Jahren 1874 bis 1994 befand sich an der Windorfer Straße Ecke Dieskaustraße der Gasthof "Zum Goldenen Adler" - Durch diesen Namen erhielt die Kreuzung Dieskaustraße/Antonienstraße/Zschochersche Straße ihren Namen, welcher auch als Haltestellenname genutzt wird. Wegen der Baufälligkeit musste es abgerissen werden. Im Umfeld befindet sich nördlich die Schule am Adler, westlich eine Bebauung aus den 1950er Jahren, südlich und westlich Gründerzeithäuser mit einer Kaufhalle.
 
MEYERSCHE HÄUSER
 
In den Jahren 1907 bis 1937 entstand nach Entwürfen vom Architekten Max Pommer eine Wohnanlage mit 139 Häusern und über 1400 Wohnungen. Durch den Ersten Weltkrieg wurden die Bauarbeiten unterbrochen. Diese Anlage umfasst mehrere Baublöcke und einen grünen Innenhof. Sehenswert sind die Türme an den Ecken der Meyer'schen Häuser. Ziel war es, niedrigen Einkommensschichten ein bezahlbares Wohnen zugeben. Nach 1990 wurden die Gebäude saniert und Wohnungen zusammengelegt, so sank die Zahl auf 1291.
     
AUENWALD
 
Der Leipziger Auenwald, auch Stadtwald genannt, wurde erstmals im Jahre 1367 mit dem Kauf der Burgaue erwähnt. Die Fläche des Waldes beträgt 1700 Hektar und zählt somit zu den größten Auenwälder Mitteleuropas. Mit über 600 Jahren, ist eine Eiche, gleichzeitig die dickste Eiche, im Rosental der älteste Baum im Leipziger Auenwald. Der südliche Auenwald befindet sich zwischen Lindenau und dem Gut Lauer. Durch den Braunkohleabbau im Süden der Stadt wurden nicht nur Teile des Auenwaldes, sondern auch Dörfer zerstört.

 
FILMTHEATER SCHAUBURG
 
Im Jahre 1928 wurde nach Entwürfen vom Architekten Hermann Mäding das heute traditionsreiche Filmtheater für den Rudolf-Film-Verlag eröffnet. Gebaut im Stile des Art Déco. Nach seinem Umbau von 2006 bis 2008 besitzt es nun einen großen Saal mit 221 Sitzplätzen und zwei kleinen Sälen mit 102 und 112 Plätzen. Es gehört zu den kleinen Kinos in Leipzig und ist mit moderner Kinotechnik in Audio und Video ausgestattet. Die SCHAUBURG ist ein Programmkino mit aktuellen und kommerziellen Filmen und befindet sich in der Antonienstraße, nahe dem Adler.
     
DIESKAUSTRASSE
 
Vermutlich Ende des 13. Jahrhunderts wurde die Dieskaustraße zwischen Antonienstraße und Knautnaundorfer Straße angelegt. 1904 benannt nach der Familie von Dieskau. 1876 wurde ein Bauplan für Wohnhäuser an der Plagwitzer Straße aufgestellt, sie erhielt in den Jahren 1896 bis 1897 Anschluss zum Straßenbahnnetz. 1950 bis 1992 trug sie den Namen "Straße des Komsomol". An die Dieskaustraße befinden sich unter anderem das Johann-Kepler-Gymnasium und die Apostelkirche. Diese Straße ist in einem schlimmen Zustand.
 

EISENBAHNMUSEUM
 
Im ehemaligen Lokschuppen des Bahnbetriebswerks Leipzig-Plagwitz ist seit 1995 das "Eisenbahnmuseum Bayerischer Bahnhof zu Leipzig" beheimatet. Neben einer ständigen Ausstellung der Leipziger Eisenbahngeschichte sind natürlich auch verschiedene Schienenfahrzeuge, darunter Dampfloks- und E-Loks sowie Reisezugwagen, zu besichtigen. 1989 wurde der gemeinnützige Verein "IG Traditionslok Bayerischer Bahnhof zu Leipzig" gegründet. Hier ist die letzte betriebsfähige Dampflok im Großraum Leipzig zuhause.
     
KLEINGÄRTEN
 
In Kleinzschocher befinden sich viele Kleingartenanlagen, so Verein für naturgemäße Gesundheitspflege, Abendsonne, Einigkeit, Waldfrieden und An der Küchenholzallee.
 

GÜTERBAHNHOF PLAGWITZ
 
Er ist 1200 Meter lang, 100 Meter breit, die Rede ist vom ersten Industriebahnhof Europas. Der Industriepionier Karl Heine legte in Plagwitz und Kleinzschocher einen Güterbahnhof an. Er wurde im Jahre 1873 eröffnet. Zuvor fand 1871 der Spatenstich für die Bahnlinie zwischen Leipzig und Zeitz statt. 1886 kaufte der sächsische Staat das private Industriegleisnetz und baute es bis 1900 aus. 1969 hält am Plagwitzer Bahnhof die S-Bahn und wird später am Güterbahnhof vorbei nach Grünau verlängert. Nach 1989 wird ein Großteil der Produktionen eingestellt.
Seit 2013 wird das Areal stückweise zu einem Stadtteilpark umgestaltet.