Erstmals im Jahre 1486 wurde Plochtewitz, an der Weißen Elster, erwähnt. Am 01. Januar 1891 wurde Plagwitz zur Stadt Leipzig eingemeindet. Der Ortsteil Plagwitz ist umgrenzt von der Karl-Heine-Straße im Norden, der Weißen Elster im Westen, der Antonienstraße im Süden und der Thüringer Straße im Westen. Der Friedhof Plagwitz gehört seit 1992 zu Neu-Lindenau, der Felsenkeller zu Lindenau und das Teilstück zwischen Markranstädter Straße und Antonienstraße gehört zur Gemarkung Kleinzschocher. Die umliegenden Ortsteile sind Lindenau, Schleußig, Kleinzschocher und Neu-Lindenau.

ARCHITEKTUR
 
In Plagwitz lässt sich nicht nur Gründerzeitarchitektur, sondern auch die der Industrie finden. Die Karl-Heine-Straße lädt mit ihren historischen Gebäuden zum flanieren ein, mit der Weißenfelser Straße geht es bergauf mit der Heilandskirche und Gründerzeithäusern.
 
STADTTEILPARK PLAGWITZ
 
Bis 1990 war der heutige Stadtteilpark zwischen Gießerstraße und Wagnerische Häuser ein Grundstück mit Anschlussgleisen zum Plagwitzer Güterbahnhof und Industriegebäuden. Durch die Umgestaltung verschwanden ein Großteil derer, lediglich der Verladeschuppen blieb erhalten. Ein Teil der Schienen wurden in Gehwege umgebaut. Dazwischen entstand auf der 3,5 ha großen Fläche eine grüne Wiese, mit Sitz- und Spielmöglichkeiten. Der "Stadtteilpark Plagwitz" liegt direkt am beliebten Karl-Heine-Kanal und wurde zur EXPO 2000 eröffnet.

 
STELZENHAUS
 
Im Jahre 1939 wurde am Karl-Heine-Kanal nach Plänen von Hermann Böttcher eine Fabrik zur Zinkherstellung und Wellblechherstellung gebaut. Einzug hielt die Firma "Grohmann & Frosch". Seinen Namen erhielt das Stelzenhaus, da es nicht nur auf 101 Stelzen steht, sondern wegen Platzmangel. Die Lagerhalle schwebt gewissermaßen über dem Wasser des Kanals, eine Seltenheit. Das Gebäude aus Stahlbeton wurde nach 1945 von den VEB Bodenbearbeitungsgeräten genutzt, stand danach leer und wurde 2003 nach zweijähriger Sanierung wiedereröffnet.
 
KARL-HEINE-KANAL
 
Der Rechtsanwalt Dr. Ernst Carl Erdmann Heine begann im Jahre 1856 mit dem Bau des Elster-Saale-Kanals. Beginnend östlich der Nonnenbrücke finanzierte er mit eigenen Mittel den 2600 Meter langen Flusslauf bis zur Luisenbrücke. Der erste Abschnitt wurde am 25. Juni 1894 eingeweiht, der zweite folgte in den Jahren 1890 bis 1898 und endet an der Luisenbrücke. Der Karl-Heine-Kanal ist ein Projekt des "Elster-Saale-Kanals" zur Anbindung an das Wasserstraßennetz. Der Zweite Weltkrieg unterbrach den Weiterbau zum Lindenauer Hafen.
 
HEILANDSKIRCHE
 
Die Heilandskirche in Plagwitz wurde in den Jahren 1886 bis 1888 nach Entwürfen von Johannes Otzen gebaut und am 26. August 1888 eingeweiht. Sie ist eine Saalkirche und ihre Fassade trägt die Backsteingotik. Ihr Turm ist 86 Meter hoch und gilt als der zweithöchste Kirchturm Leipzigs. Zwischen 1980 und 1983 wurde in den Tribünen eine Zwischendecke eingezogen, in der sich nun die Gemeinderäume befinden. Erst seit 1916 heißt sie Heilandskirche, zuvor nannte man sie "Kirche Plagwitz". Grund für den Bau war die wachsende Ortschaft.
 
FRIEDHOF PLAGWITZ
 
Der Friedhof wurde 1880 auf einem Grundstück des Ritterguts Kleinzschocher angelegt. Vermutlich war er zunächst eine Außenstelle des Friedhofs Kleinzschocher, da dort die Plagwitzer begraben wurden. 1885 trennte man sich von Kleinzschocher, baute eine eigene Kirche auf und die Trägerschaft ging zur Heilandskirche über. Später wurde der Friedhof erweitert und bekam eine dritte Abteilung hinzu, welche nach Plagwitz eingemeindet wurde. 1977 wurden die Toten vom Friedhof Schönau zum Friedhof Plagwitz umgebettet.
 
BUNTGARNWERKE
 
Im Jahre 1888 wurde der "Hochbau West" (an der Nonnenstraße) errichtet, gefolgt 1897 vom zweiten Bauabschnitt der Kammgarnspinnerei. Nach Entwürfen von Händel & Francke wurde ein prächtiges Industriegebäude geschaffen. 1951 übernahm die Stadt Leipzig die Buntgarnwerke als Treuhandgeschäft, ein Jahr später wurde es zum VEB, 1969 zu "VEB Buntgarnwerke Leipzig". 1990 wurde der Betrieb eingestellt. Nach 1999 wurde die ehemalige Spinnerei zu Lofts umgebaut. Ein Themenpark wurde jedoch nicht realisiert.
 
WEIßE ELSTER
 
Die Weiße Elster stammt aus Tschechien im Elstergebirge südöstlich von Áš (Asch), in der Nähe des Dorfes Výhledi und mündet in Schkopau bei Halle in die Saale. Unterwegs nimmt die Weiße Elster rund 40 Bäche und Nebenflüsse auf. Kommend aus Zeitz fließt die Elster durch das südliche Leipzig, den ehemaligen Industrievierteln Schleußig und Plagwitz, an den Buntgarnwerken, der Marina-Gracht und dem MEY & EDLICH-Versandhaus vorbei. Die Weiße Elster wurde im südlichen und nördlichen Abschnitt (mit Mündung der Luppe) begradigt.
 
KARL-HEINE-STRASSE
 
Die Karl-Heine-Straße befindet sich zwischen Plagwitzer Brücke/Nonnenstraße und Spinnereistraße/Saalfelder Straße, nördlich von Lindenau und südlich von Plagwitz, wobei sich der Felsenkeller noch in Plagwitz befindet. Der östliche Straßenteil ist von Villen und Blockbebauungen umgeben, während der westliche Teil ab dem Felsenkeller breite Gehwege zum flanieren anbietet. Hier haben sich neben Läden, auch Cafés und Ateliers niedergelassen. Durch die Karl-Heine-Straße fährt die beliebte Straßenbahn(Kultur)linie 14.
     
FELSENKELLER
 
Das neue Ballhaus "Felsenkeller" wurde Ende des 19. Jahrhunderts nach Entwürfen der Leipziger Architekten August Hermann Schmidt und Arthur Johlige im Neobarock gebaut. 1890 konnte er mit 1000 Plätzen, eine großzügige Gartenanlage, Terrassen und Veranden eröffnet werden. Bauherr war die Brauerei Carl Wilhelm Naumann. Hier wurde das Felsenkellerlichtkino betrieben. Zur Kreuzung hat der Felsenkeller einen zweigeschossigen Eckturm mit einer Kuppel. 2005 wurde der Felsenkeller umfassend saniert.

 
GÜTERBAHNHOF PLAGWITZ
 
Er ist 1200 Meter lang, 100 Meter breit, die Rede ist vom ersten Industriebahnhof Europas. Der Industriepionier Karl Heine legte in Plagwitz und Kleinzschocher einen Güterbahnhof an. Er wurde im Jahre 1873 eröffnet. Zuvor fand 1871 der Spatenstich für die Bahnlinie zwischen Leipzig und Zeitz statt. 1886 kaufte der sächsische Staat das private Industriegleisnetz und baute es bis 1900 aus. 1969 hält am Plagwitzer Bahnhof die S-Bahn und wird später am Güterbahnhof vorbei nach Grünau verlängert. Nach 1989 wird ein Großteil der Produktionen eingestellt.
Seit 2013 wird das Areal stückweise zu einem Stadtteilpark umgestaltet.
     
KÖNIG-ALBERT-BRÜCKE
 
Im Jahre 1874 wurde die König-Albert-Brücke über den Karl-Heine-Kanal gebaut. Sie ist eine von 15 Brücken und befindet sich auf der Karl-Heine-Straße. Zwischen 2009 und 2010 wurde die König-Albert-Brücke, welche nach dem sächsischen König Albert von Sachsen benannt ist, neugebaut. Sie stellt eine wichtige Verbindung für den Leipziger Westen dar. Von der Brücke hat man nicht nur einen Blick auf den Karl-Heine-Kanal, sondern auch zum Stelzenhaus, der Philippuskirche in Lindenau und dem brachliegenden Jahrtausendfeld.

 
KONSUMZENTRALE LEIPZIG
 
Die Konsumzentrale in der Industriestraße wurde im Jahre 1929-1932 nach Plänen vom Architekten Fritz Höger umgebaut. Das Gebäude hat eine Gesamtfläche von 26.000 m². Seit 2000 wird das Gebäude und deren Räume stückweise saniert. Am 03. August 1884 wurde der "Consum-Verein für Plagwitz und Umgegend" gegründet und die erste Warenabgabestelle eröffnet. 1929 folgte die Eröffnung eines Kaufhauses am Lindenauer Markt und 1969 die ersten Kaufhallen. 1991 fand die Fusion zur "Konsumgenossenschaft Leipzig eG" statt.
     
MDR-RIVERBOAT
 
"Riverboat - Die MDR-Talkshow" aus Leipzig, eine bunte und lockere Unterhaltungsshow mit Prominenten, dessen Sendestudio sind auf einer alten Eisenbahnbrücke in Form eines Boots befand. Nachdem die Räumlichkeit allerdings zu klein wurde, ging es wieder zurück in die Media City und später nach Dresden, wo die erste Sendung aufgezeichnet wurde. Heute ist im ehemaligen Riverboat die Kinderarche von PORSCHE zuhause.

 
PLAGWITZER BAHNHOF
 
Im 19. Jahrhundert wurde der Plagwitzer Bahnhof an der Engertstraße gebaut und am 20. Oktober 1893 in Betrieb genommen. Der Bahnhof hat jeweils zwei Bahnsteige mit Überdachungen. Im Jahr 1969 wurde der Plagwitzer Bahnhof auch von der S-Bahn bedient. Seit 2010 werden die Bahnanlagen stückweise zurückgebaut und erneuert. Die Haltestelle wird nach Norden an die Brücke verlegt, somit gibt es keinen Zugang mehr ins Gebäude. Vor dem Bahnhof befindet sich eine Wendeschleife der Straßenbahn und Haltestelle des Omnibusses.