Der Karl-Heine-Kanal entspringt an der Weißen Elster und am Rande der Buntgarnwerke, die 1897 von Tittel & Krüger als Sächsische Kammgarnspinnerei gegründet wurden. Bis Anfang der 1990er Jahren haben hier über 2000 Menschen gearbeitet. Danach wurden sie zu Wohnungen, Lofts und Penthouses umgebaut. Auf der südlichen Seite steht das 2002 bis 2004 errich-tete Seniorenwohnheim Leipzig-Plagwitz mit Terrassenwohnungen. Die erste von 15 Brücken, die den Kanal überbrücken, heißt Nonnenbrücke, auf der die Nonnenstraße führt. Errichtet wurde sie im Jahre 1863 mit drei Bögen und erhielt 1900 ihren Namen. 1883 wurden zwei Bögen durch eine Stahlbrücke ersetzt, damit auch Lastschiffe die Durchfahrt nutzen konnten. Da sich das Material aber zersetzte, wurde dieser Brückenteil 1957 abgebrochen und durch einen Damm ersetzt. Seitdem hat sich die Zu-fahrt des Karl-Heine-Kanals auf die heutige Breite verkleinert. Zur Erholung der Kanusportler des benachbarten Bootshauses entstand eine Wiese. 1998 wurde die Nonnenbrücke saniert und 2010 eine Vorrichtung für ein Stautor errichtet, dass bei Hochwasser der benachbarten Weißen Elster genutzt wird. Vorgesehen ist es, die Zufahrt wieder auf die alte Breite herzu-stellen.

   

Nach der Nonnenbrücke sieht man das ehemalige Riverboat des MDR FERNSEHEN. Gebaut wurde das nachgebildete Dampf-schiff auf einer 1883 errichteten Eisenbahnbrücke, auf der sich das Anschlussgleis zwischen dem Industriebahnhof Plagwitz-Lindenau und den Buntgarnwerken befand. Die MDR-Talkshow wurde 1992 erstmals in Dresden ausgestrahlt und fand in einem von zwei Raddampfern auf der Elbe statt. Seite 2000 wird sie aus Leipzig gesendet. Zunächst war geplant, selbst ein Schiff zu bauen und es dann auf dem Karl-Heine-Kanal zusetzen, aber das war am Ende doch zu teuer. Zunächst ab 2000 in der Media-City Leipzig und von 2003 bis 2008 im Riverboat und seit 2008 wieder in der MediaCity Leipzig, auf Grund von Platznot. Heute wird das Riverboat für verschiedene Veranstaltungen genutzt. Darunter befindet sich ein kleiner Hafen. An der Erich-Zeigner-Allee steht ein rotes Haus, das von 1926 bis 1928 als Villa Rossa entstand. In der DDR arbeitete hier eine Holzgenossenschaft. Über die Erich-Zeigner-Allee (bis 1949 Elisabethallee) führt die 1858 errichtete Elisabethbrücke, die regelmäßig von Stadtrund-fahrtbussen genutzt wird.

   

1992 wurde am oberen Ufer des Karl-Heine-Kanals ein Rad- und Fußweg eröffnet, seitdem kann entlang des Kanals spaziert werden. Eröffnet hat ihn die damalige Bundesumweltministerin Dr. Angela Merkel, die seit 2005 Bundeskanzlerin der Bundes-republik Deutschland ist. Die Zschochersche Straße verbindet die König-Johann-Brücke, die 1860 bis 1862 errichtet wurde und zunächst Königsbrücke hieß, bis weitere Brücken nach sächsischen Königen benannt wurde. 1953 bis 1991 hieß sie Philipp-Müller-Brücke, benannt nach einem Kommunisten, der 1952 in Essen bei einer Demonstration von der Polizei getötet wurde. Auf der Nordseite der Wagnerschen Häuser befindet sich seit den 1930er Jahren ein Werbebild mit der Persil-Dame. Dieses ist im Eigentum der Henkel AG und sie möchten es wieder sanieren.

   

Weiter führt der Kanal entlang des zur Expo 2000 eröffneten Stadtteilparks Plagwitz an der Industriestraße. Hier befand sich die Verladestelle I des Industriebahnhofs Plagwitz-Lindenau für die Unternehmer, die kein eigenes Anschlussgleis hatten. Bis Ende der 1990er Jahre waren hier dann mehrere Gewerbebauten. Das Areal wurde zur Parkanlage umgestaltet, erhielt breite Wiesen, Bäume und Sitzbänke. Dazu kam ein Spielplatz und später auch ein Bolzplatz. Die ehemaligen Gleise wurden zu Wege-verbindungen umgebaut. Erhalten wurde ein ehemaliger Güterschuppen, für den es zunächst keine Nutzung gab. Nach einer Ausstellung zur Plagwitzer Industrie zog der Wasser-Stadt-Leipzig e.V. ein, der sich für den Durchstich des Karl-Heine-Kanals und Elster-Saale-Kanals zum Lindenauer Hafen sowie die Anbindung zur Saale stark macht. Im Jahr 2000 wurde der Stadtteil-park mit dem Rad- und Gehweg am Kanal durch eine Stahlbogenbrücke verbunden, die den Namen Karl Heine trägt. Unter dieser Brücke am Westufer befindet sich behindertengerechter Bootssteg, der aus dem Erlös des Entenrennens im Rahmen des Leipziger Wasserfestes 2010 finanziert wurde, der vom Wasser-Stadt-Leipzig e.V. organisiert wird.

   

Ein Blickfänger ist das 1939 errichtete Stelzenhaus der Verzinkerei und Wellblechwerke von Grohmann & Frosch. Da es direkt am Kanal liegt, steht das Gebäude auf 101 Betonpfeilern. Der Architekt war Hermann Böttcher. In der DDR hatte die VEB Bodenbearbeitungsgeräte (BBG) hier ihren Sitz. 2000 bis 2003 wurde das Gebäude saniert und erhielt mehrere Wohnungen und Gewerberäume. Auf der Ostseite hat ein Restaurant mit Freisitz eröffnet. Hier befindet sich ein weiterer Bootssteg, an dem in der Sommerzeit die MS Weltfrieden ablegt. Ein Fahrgastschiff, dass 1945 in Parchim gebaut wurde, bis 1990 auf dem Auensee verkehrte, danach instandgesetzt wurde und seit 1998 auf der Weißen Elster und dem Karl-Heine-Kanal fährt. Die Wasser-rosen im Umfeld sind der Beweis für eine gute Wasserqualität.

   

Nach einem großen Bogen nach Norden gelangt man zur Weißenfelser Brücke, die 1874 oder 1884 errichtet wurde, und über die Weißenfelser Straße führt. Diese verbindet die Engertstraße am ehemaligen Industriebahnhof Plagwitz-Lindenau (heute
S-Bahnhof Plagwitz) und Nonnenstraße, wo sich die Buntgarnwerke befanden. Oberhalb der Brücke befand sich eine Eisen-gießerei. In den alten Fabrikräumen befand sich bis 2016 ein Restaurant, dass diesen Namen trug. Nach einem Eigentümer-wechsel heißt es nun Kaiserbad. Und unterhalb der Brücke, mit Zugang zum Westwerk, befindet sich der Bootsteg eines Bootsbauers mit Verleih.

   

Die nächste Brücke heißt König-Albert-Brücke, die die Karl-Heine-Straße verbindet. Eine wichtige Hauptverkehrsstraße im Leipziger Westen. In den Jahren 2009 und 2010 wurde das Brückenbauwerk bis auf die Grundmauern abgebrochen und neu gebaut. Dabei wurde sie leicht verbreitert. Der Grund war der schlechte Zustand, der bereits in den 1960er Jahren bestand. An der Brücke steht das Westwerk, dass seit 2007 ein Kunstquartier ist. Entstanden in der 1874 gegründeten Gießerei von Kaspar Dambacher, die 1882 von Schumacher & Koppe als Gelbgießerei übernommen wurde. Bis 1945 entwickelte sich die Firma als Industriearmaturenwerk. 1953 wurde das Werk zum VEB Industriearmaturen und Apparatebau Leipzig (IAL). Und gegenüber befindet sich das sogenannte Jahrtausendfeld. Hier hatte Rudolph Sack 1867 seine Fabrikanlage für Landwirt-schaftsmaschinenbau, der 1948 in den VEB Bodenbearbeitungsgeräte (BBG) überging. Nach der Schließung in den 1990er Jahren nutzte die Schaubühne Lindenfels 2000 das Areal als Ackerfeld und später das Theater der jungen Welt mit einem Zirkuszelt für ihre Aufführungen, das sich 1946 gründete und anfangs in der Kongreßhalle am Zoo spielte. Seit 2018 erinnert ein Silhouettendenkmal an den Landwirtschaftsbau.

   

Und schon ist die nächste Brücke in Sicht: die Aurelienbrücke. Errichtet 1876 in Form wie ihre Vorgänger. Jedoch wurde sie 1969 wegen Baufälligkeit gesperrt und erst 1995 demontiert. Aus einer Straßenbrücke wurde 1997 eine Fußgängerbrücke. Sie befindet sich an der Philippuskirche, die 1907 bis 1910 vom Architekten Alfred Müller als einzige Kirche nach dem Wiesbadener Bauprogramm in Mitteldeutschland errichtet wurde. Bemerkenswert ist die romanische Jehmlich-Orgel von 1910. Im Jahr 2012 übernahm das Berufsbildungswerk Leipzig (BBW) die nicht entweihte Kirche und baute das Pfarrhaus mit Anbau bis 2018 zu einem Integrationshotel um. Im Kirchenschiff finden weiterhin Gottesdienste und Veranstaltungen statt. Jährlich im Sommer folgen auch die "Konzerte am Kanal", unweit der Aurelienbrücke.

   

Um das Wasser erlebbar zu machen, wurde am nächsten großen Bogen ein steinernes Ufer angelegt. Eine Treppe führt zu einem Bootssteg, an dem sich Wasserrosen befinden. Von hier aus hat man einen schönen Blick auf die Philippuskirche. Ungewöhnlich für einen Schiffskanal ist die Führung mit mehreren Bögen. Das liegt daran, weil Karl Heine hier sehr viel Grau-wacke gefunden hat, dessen Gestein sich gut für den Straßenbau eignete.

   

Für Kinder und Junggebliebene wurde an der Gießerbrücke ein Wasserspielplatz errichtet. Über eine archimedische Schraube zieht man Wasser aus dem Karl-Heine-Kanal und dieses fließt über einen Kanal und gelangt dann über einen Wasserfall zu einem Bachlauf, dass dann wieder in den Karl-Heine-Kanal fließt. Direkt am Ufer verläuft der Gehweg und der Radweg befindet sich oberhalb, der über wenige Stufen erreichbar ist. Die Gießerbrücke, die die Gießerstraße verbindet, wurde 1878 bis 1880 errichtet und nach der Gießerei Meier & Weichelt benannt.

   

Zur Ladestelle III ging es vom Industriebahnhof Plagwitz-Lindenau über den Karl-Heine-Kanal zur Endersstraße, wo sich heute der Henriettenpark befindet. Die ehemalige Eisenbahnbrücke, Baujahr 1883, wurde 2005 zur Fußgängerbrücke, genannt Gleis-brücke, und gehört zu den Gleisfingern, wo einstige Anschlussgleise zu Wegeverbindungen umgestaltet werden. Hinter der Brücke spalten sich Rad- und Gehweg in zwei Arme. Der linke Teil führt am Ufer weiter und der rechte Teil bergauf zur Engertstraße.

   

Über die Engertstraße führt die 1885 eröffnete Friedrich-August-Brücke, die später den Namen Engertbrücke (laut Stadt Leipzig nicht amtlich) trug und seit 1992 König-August-Brücke heißt. Im Jahre 1872 ließ Karl Heine eine Eisenbahnbrücke errichten, obwohl es die Eisenbahnstrecke noch nicht gab. Die Thüringische Eisenbahn-Gesellschaft forderte eine Eisenbahn-strecke, die sich auf der heutigen Verbindung LeipzigZeitz befindet, obwohl es noch keinen Baubeschluss zur neuen Strecke gab. Heute verkehren hier die Züge der Erfurter Bahn und S-Bahn Mitteldeutschland.

   

Die Saalfelder Brücke, die die Saalfelder Straße zwischen Karl-Heine-Straße, Lützner Straße und Bienerstraße verbindet, wurde 1889 für den Verkehr freigegeben, erhielt ihren Namen aber erst ein Jahr später. In den Jahren 1992 bis 1995 wurde die Straßenbrücke neu gebaut, nachdem 1945 ein Lkw sie schwer beschädigte.

   

Diese Brücke trägt keinen amtlichen Namen, aber sie wird Birminghambrücke genannt. Sie verbindet den Rad- und Gehweg mit der Straße Am Kanal, die zur Saalfelder Straße und zum ehemaligen Mörtelwerk führt. Errichtet wurde sie 1993 als Bogen-brücke. Ende 2014 wurde sie vom Pilz befallen und musste gesperrt werden. 2015/2016 wurde die Verbindung durch eine Stahlbrücke ersetzt.

Angekommen am ehemaligen Mörtelwerk. Vor diesem Gebäude befand sich bis zum Zweiten Weltkrieg eine Eisenbahnbrücke, die ein Anschlussgleis zur Verladestation III in der Endersstraße herstellte. Erhalten sind noch zwei Widerlager an der Straße Am Kanal. Karl Heine ließ im Jahre 1891 ein Mörtel- und Ziegelwerk bauen. Tätig war hier, neben weiteren Baufirmen, seine Leipziger Westend-Baugesellschaft, die er gründete, damit der Kanal- und Hafenbau nach seinem Tode weitergeführt wird. Hier befand sich auch ein Lokschuppen der Lindenauer Kiesbahn, die mit der Museumfeldbahn am Lindenauer Hafen erhalten werden konnte. Zu sehen sind noch Schienenreste und eine Lore. 1968 wurde die Produktion eingestellt und der VEB Bau-kombinat Leipzig nutzte die Fabrik. 1997 bis zur Expo 2000 wurde das ehemalige Mörtelwerk zu einem Jugendzentrum umge-baut. Im selben Jahr eröffnete das Restaurant "Kanal 28", das bis 2016 blieb und dann vom Jugendzentrum gekündigt wurde. Mittlerweile gibt es ein neues Restaurant, das den Namen Mörtelwerk trägt. Vorhanden sich neben einem Freisitz auch ein Bootsverleih. Die MS Weltfrieden dockt hier an, während die Fahrgastschiffe, die von der Weißen Elster kommen, weiter zum Hafen fahren.

 

Nach einem letzten großen Bogen führt der Kanal zur Luisenbrücke. Diese wurde 1897 bis 1898 errichtet und nach der Prinzes-sin Louise genannt. Bis hier sollte der südliche Elster-Saale-Kanal folgen, doch machte er bereits 1893, als das Bauprojekt wegen fehlender Finanzen fehlte, mehrere Meter vor der Brücke Schluss. Die Luisenbrücke verbindet die Lützner Straße, die eine wichtige Hauptverkehrsstraße im Leipziger Westen ist. Durch den sogenannten Goetzbogen in der Luisenbrücke fuhr ledig-lich die Kiesbahn zwischen dem Mörtelwerk und den Kiesgruben in die Schönauer Lachen, nördlich vom Hafen. Mehrere Ver-suche scheiterten fortan, den Kanal an den Hafen anzuschließen. Schließlich war es 2013 soweit, als die Tiefbauarbeiten für die 665 Meter lange Verbindung startete. Eingeweiht wurde dieser Abschnitt am 02. Juli 2015.

   

Der neue Verlauf führt in Richtung Norden, macht danach einen scharfen Bogen nach links und danach wieder nach rechts in Richtung Hafenbecken. Beidseitig befinden sich Rad- und Gehwege, die vom Karl-Heine-Kanal und der Lützner Straße kommen. In Richtung Norden gibt es einen Abzweig, der entlang der ehemaligen Anschlussbahn (Hafenbahn) mündet. Am Wassertorplatz befinden sich eine große Wiese mit Bäumen und Sitzbänken zur Erholung sowie Bootsstege.

   

Der Rad- und Gehweg führt am Kanal weiter und spaltet sich in zwei Arme, dabei führt der linke Weg über eine Rampe direkt zum Wasser und vor und nach der Wassertorbrücke wieder nach oben. Am Ufer kann mit Booten und Fahrgastschiffen an-gelegt werden. Beide Wegeverbindungen des Kanals sowie zur Erschließung des neuen Stadtquartiers mit dem Schönauer Park wurden mit der 2014 bis 2015 errichteten Wassertorbrücke verbunden. Östlich des Kanals entstehen seit 2016 und bis 2020 mehrere Wohnhäuser, die zusammen rund 500 Wohnungen ergeben. Daneben sind auch Gewerbeflächen und eine Kindertages-stätte vorgesehen. Durch das neue Stadtquartier führt die Hafenstraße, die später von der Buslinie 60 bedient werden soll. Mit der Einweihung der neuen Verbindung erhielt der Lindenauer Hafen nach 72 Jahren eine Anbindung an das Leipziger Wasserstraßennetz und der Karl-Heine-Kanal eine Anbindung zum Lindenauer Hafen.

   

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