Das Wasserrad reicht einen Meilenstein in der Entwicklung der Technik zurück. Da die Nutzung der Wasserkraft neben der Muskelkraft zusätzlich mechanische Energie brachte. Am Anfang dienten Wasserräder zur Bewässerung der Landwirtschaft, als Schöpfrad zum Heben von Wassermengen. Heute findet man noch solche Schöpfräder seit Jahrhunderten in Ägypten, Syrien, Indien und China. Man sagte, die ersten Wasserschöpfräder wurden um 1200 vor Christi in Mesopotamien betrieben. In der Römischen Zeit wurden Wasserräder auch zum Antrieb von Mahlmühlen genutzt. Ein Nachweis der ersten Wassermühle in Deutschland stammt aus dem 6. Jahrhundert aus der alamannischen Siedlung Mittelhofen bei Lauchheim. Im 12. Jahrhundert waren in ganz Europa die Wassermühlen verbreitet. Später kam die Nutzung zur Verarbeitung von Öl, Walk, Säge, Hammerwerke und Schleifen hinzu. Auch im Bergwerkswesen wurden sie zum Materialtransport und zur Entwässerung der Gruben eingesetzt. Die Wasserversorgung war damals ein wichtiger Punkt bei Fabriken in der Standortbewertung. Auch musste man Wasserrechte haben um ein Wasserrad betreiben zu können. Heute findet man noch Eigentumsmühlen von alten Industriebrachen an Flüssen und Bächen. Ende des 19. Jahrhunderts, ermöglichten Wasserturbinen viel größere Wassermengen. Durch die Einführung der Elektrizität musste die Energie nicht mehr vor Ort mechanisch übertragen werden, denn sie konnte in elektrischem Strom umgewandelt werden. Es entstanden Wasserkraftwerke und lösten die kleinen Wasserradmühlen immer weiter ab.

Wassermühlen findet man in Leipzig eigentlich nur noch in Dölitz an der Mühlpleiße. Eine weitere brannte im Herbst 2006 völlig aus und wurde später rekonstruiert. Dort wurde das Wasser aus dem ehemaligen angrenzenden Pleißemühlgraben geschöpft.

DÖLITZER WASSERMÜHLE - Erstmals wurde sie im Jahre 1540 erwähnt, wobei schon Vorgängerbauten am Dölitzer Leinegraben vermutet werden. In den folgenden Jahrhunderte wurde die Wassermühle mehrfach um- und ausgebaut. Während der Völkerschlacht im Oktober 1813 brannte die Mühle während der Kämpfe um das Torhaus Dölitz fast vollständig ab. Der heutige zweigeschossiger Fachwerkbau um 1814 wurde in einem geschlossenen Vierseitenhof errichtet. Die Dölitzer Wassermühle diente bis zum Tod des letzten Müllers im Jahre 1967 als Mahl,- Schrot- und Gewürzmühle. Zwischen 1920 und 1950 stand die Mühle still.

       

ANGERMÜHLE - Die Jacobsmühle wurde im Jahre 1165 zur Stadtgründung erstmals erwähnt. Sie diente bis 1879 als Wassermühle am Elstermühlgraben. Sie entstand im 12. Jahrhundert und bekam der Namen der gegenüberliegenden Jacobskirche am Nordufer. Die Mühle gehörte anfangs noch dem Augustinerkloster St. Thomas, bis es 1296 in Privatbesitz ging. Bis es die Stadt Leipzig im Jahre 1499 von der Familie Thümmel für 1200 Gulden kaufte. Die Mühle wurde als Getreidemühle angelegt, später wurde sich auch als Öl-, Gewürz- und Tabakmühle betrieben. Nach dem Abriss der Jacobskirche um 1544 wurde die Mühle in Angermühle umbenannt. Zwischen 1797 und 1822 wurde die Wassermühle renoviert, bis sie 1897 abgebrochen wurde.

THOMASMÜHLE - Erstmals wurde sie im Jahre 1287 erwähnt und wurde nach dem gegenüberliegenden Augustinerkloster St. Thomas benannt. Sie entstand nach im Norden liegenden Burgmühle als zweite am Pleißemühlgraben. Zum Ausbau der Wasserstärkung wurde der Mühlgraben weiter nach Süden verlegt. Betrieben wurde sie bis zur Zerstörung im Zweiten Weltrieg.

NONNENMÜHLE - Die Nonnenmühle war eine weitere Wassermühle am Westufer des Pleißegraben. Im 13. Jahrhundert wurde die Mühle am neuen Teilstück des Mühlgrabens gebaut. Sie gehörte ursprünglich dem benachbarten Benediktinerinnenkloster St. Georg. Im Jahre 1543 kam die Nonnenmühle in Besitz der Stadt Leipzig. Im Mai und Juni 1890 wurde die Wassermühle abgebrochen. An ihrer Stelle wurde 1891 die Karl-Tauchnitz-Brücke über den Pleißemühlgraben errichtet.

GOHLISER MÜHLE - Erstmals wurde sich im Jahre 1390 erwähnt, damals noch Bannmühle genannt. An der Wassermühle floss die Pleiße in einem Bogen vorbei, sie verschwand zwischen 1905 und 1913 aus dem Stadtbild. Der erste Betreiber der Gohliser Mühle war allerdings eine Frau, bis sie zwei Jahre später verstarb. Seit 1857 war August Bleichert, Vater von Adolf Bleichert, Drahtseilbahnfabrikant. Der Mühlenbetrieb wurde am 30. Juni 1908 eingestellt. Im Oktober 2006 brannte die Mühle teilweise ab. Anfang 2011 begann der Wiederaufbau der Gohliser Mühle, der heute einen Kindergarten und Einzelhandel beherbergt.

       

BARFUßMÜHLE - Die Burgmühle wurde im 11. Jahrhundert südwestlich der Leipziger Hauptburg errichtet. Dabei wurde ein eigener Mühlgraben von der Pleiße zur Parthe angelegt. Im Jahre 1224 wurde die Wassermühle wegen des gegenüberliegenden Franziskanerklosters in Barfüßermühle umbenannt. Dem genannten Kloster und dem Kloster St. Georg, deren Namen von Mühlen geprägt wurden, waren nie die Eigentümer. Um 1285 schenkte der Marktgraf von Landsberg, Friedrich der Sammler die Mühle dem Clarissinnenkloster Seuslitz bei Meißen die Barfußmühle. Im Jahre 1503 kaufte sie ein Typ Namens Moritz, 1550 der Rat der Stadt Leipzig. Im Jahre 1592 erfolgte ein völliger Neubau der Wassermühle, 1656 und 1798 folgten Instandsetzungen. 1897 kaufte der Leipziger Bauverein die Mühle und ließ sich im Jahre 1898 abreisen.